UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK

Erfolgsfaktoren für die Entwicklung ländlicher Regionen in Rheinland-Pfalz

  • In Rheinland-Pfalz kommt den ländlichen Regionen eine hohe Bedeutung als Lebens-, Wirtschafts-, Natur- und Erholungsraum zu. Bei ihrer Entwicklung kann festgestellt werden, dass diese Regionen sowohl Schrumpfungstendenzen wie einen Rückgang der Bevölkerungszahl, zum Teil aber auch positive Entwicklungsdynamiken wie positive bevölkerungsstrukturelle und sozio-ökonomische Entwicklungen aufweisen. In jenen Regionen die positive Entwicklungsdynamiken verzeichnen stellt sich insbesondere die Frage nach „den Erfolgsfaktoren“, die diese Entwicklung begünstigt haben. Die Bundesraumordnung hat das Potenzial dieser Räume, einen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsbeitrag zu liefern, erkannt. Im Jahr 2010 und 2013 hat die Ministerkonferenz für Raumordnung den Beschluss gefasst, die Leitbilder für die Raumentwicklung in Deutschland dahingehend zu konkretisieren und weiterzuentwickeln, dass die Rolle und Bedeutung ländlicher Räume als „eigenständige Wirtschafts-, Kultur- und Lebensräume, die ihre Potenziale durch die Entwicklung eigener Stärken, aber auch durch Verflechtung und Vernetzung besser zur Geltung bringen können“, noch stärker herausgearbeitet werden soll. Im aktuellen Entwurf der Leitbilder und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland 2013 zeigt sich, dass im vorgesehenen Leitbild „Wettbewerbsfähigkeit stärken“ sowohl ländliche als auch verstädterte wirtschaftliche Wachstumsräume außerhalb der Metropolregionen verortet werden, die im Rahmen einer Raumentwicklungsstrategie als Wirtschafts-, Innovations- und Technologiestandorte gestärkt werden sollen. Somit stellt sich für ländliche Regionen insbesondere die Frage, welches die maßgeblichen Faktoren sein können, um eine eigene positive Entwicklungsdynamik zu fördern. Die vorliegende Dissertation identifiziert im Bundesland Rheinland-Pfalz, für das ländliche Regionen in exemplarischer Weise von Bedeutung sind, Landkreise die positive Entwicklungsdynamiken aufzeigen und untersucht sie hinsichtlich ihrer Erfolgsfaktoren. Dabei handelt es sich um den Donnersbergkreis, den Rhein-Hunsrück-Kreis und den Landkreis Südliche Weinstraße einschließlich der Stadt Landau in der Pfalz. Um sich der Thematik der Erfolgsfaktoren in theoretischer Weise zu nähern, werden zunächst Ansätze zur Erklärung unterschiedlicher regionaler Entwicklungsdynamiken betrachtet und Kriterien abgeleitet, die dazu dienen, bereits bestehende Ansätze, Programme und Projekte zur Förderung solcher Entwicklungen in ländlichen Regionen zu bewerten. Der Untersuchung liegen ferner empirische Erhebungen wie leitfadengestützte Gespräche mit Experten, regionalen Akteuren aus Verwaltung und Wirtschaft sowie mit regionalen und kommunalen Entscheidungsträgern und eine schriftliche Befragung der Bevölkerung in allen drei Landkreisen zugrunde, um weitere Erkenntnisse über (spezifische) Erfolgsfaktoren zu erhalten. Es zeigt sich dabei, dass die positiven Entwicklungsdynamiken durch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, wie die Lage der Landkreise im Raum, verkehrsinfrastrukturelle und naturräumliche Ausstattung, historische Entwicklungspfade sowie durch bestimmte Unternehmensansiedlungen und ein strategisches Handeln regionaler und kommunaler Akteure, maßgeblich beeinflusst wird. Im Zusammenhang mit dem Thema der europäischen Metropolregionen bleibt zu sagen, dass die untersuchten Räume auch von der Nähe zu diesen Räumen profitieren. Hierbei spielen vor allem eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, Arbeitsplätze und Hochschulen eine wichtige Rolle. Weiterhin zeigt sich, dass sich beispielsweise eine wirtschaftsnahe Verwaltung und die Etablierung von Netzwerken zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung unterstützend auswirken. Ein weiteres Hauptaugenmerk im Zusammenhang mit positiven Entwicklungsdynamiken ist auf die Existenz hochinnovativer, vielfach klein- und mittelständischer Unternehmen zu richten. Als maßgeblich für die Entwicklung eines Raumes ist aber auch das hohe Engagement einzelner Personen zu betrachten, die oftmals eine wichtige Rolle als die treibenden Kräfte bei der regionalen Entwicklung einnehmen. Darüber hinaus spielt in den untersuchten ländlichen Regionen, die stark durch den produzierenden Sektor geprägt sind, die betriebliche Aus- und Weiterbildung sowie eine frühzeitige Berufsorientierung in Schulen und die Vermittlung von Praktika eine wichtige Rolle und trägt zur Sicherung der Fachkräftebasis in den Regionen bei. Die durchgeführte Haushaltsbefragung verdeutlicht, dass die Räume eine sehr hohe Wohn- und Lebensqualität aufweisen, welche die Bevölkerung verstärkt an den Raum bindet. Aufbauend auf den identifizierten Erfolgsfaktoren werden Handlungsansätze der Raumordnung, Landes- und Regionalplanung sowie der Regionalentwicklung und relevanter Politikfelder erarbeitet. Hierbei steht insbesondere die Frage im Vordergrund, wie vorhandene Entwicklungsdynamiken unterstützt, ausgebaut und in anderen Regionen angestoßen werden können. In Hinblick auf die Übertragbarkeit auf andere Regionen ist zu erwähnen, dass dies durchaus möglich ist, wobei die identifizierten Erfolgsfaktoren vielfach von den spezifischen Rahmenbedingungen des Raumes abhängig sind. Wesentlich ist, dass die genannten Handlungsansätze und -strategien eine Orientierung ermöglichen. Berücksichtigt werden muss beim Verfolgen der dargestellten Strategien jedoch, dass sich die Entwicklungen in den Untersuchungsräumen über einen langen Zeitraum vollzogen haben. Somit sollte auch an einer „Strategie der kleinen Schritte“ angesetzt werden.
Metadaten
Verfasserangaben:Claudia Bolte
URN (Permalink):urn:nbn:de:hbz:386-kluedo-40253
Betreuer:Gabi Troeger-Weiß
Dokumentart:Dissertation
Sprache der Veröffentlichung:Deutsch
Veröffentlichungsdatum (online):17.03.2015
Datum der Erstveröffentlichung:17.03.2015
Veröffentlichende Institution:Technische Universität Kaiserslautern
Titel verleihende Institution:Technische Universität Kaiserslautern
Datum der Annahme der Abschlussarbeit:28.01.2015
Datum der Publikation (Server):18.03.2015
GND-Schlagwort:Ländliche Regionen; Rheinland-Pfalz
Seitenzahl:274
Fachbereiche / Organisatorische Einheiten:Fachbereich Raum- und Umweltplanung
DDC-Sachgruppen:7 Künste und Unterhaltung, Architektur, Raumplanung / 710 Landschaftsgestaltung, Raumplanung
Lizenz (Deutsch):Standard gemäß KLUEDO-Leitlinien vom 13.02.2015