UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK

Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des operativen Hochwasserschutzes- ein Beitrag aus wasserwirtschaftlicher Perspektive

  • Technische Hochwasserschutzanlagen schützen grundsätzlich nur gegen Hochwasserereignisse einer gewissen Jährlichkeit. Um das verbleibende Risiko, z.B. aufgrund eines planmäßigen oder außerplanmäßigen Versagens, für Mensch und Sachgüter im Rahmen der Bewältigung von Hochwasser- und Starkregenereignissen reduzieren zu können, sind geeignete operative Maßnahmen erforderlich. Mit dieser Aufgabe beschäftigt sich der operative Hochwasserschutz, dessen Wirkungsbereich bzw. Verständnis bislang auf die Zeit während eines Hochwasserereignisses begrenzt war. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie der operative Hochwasserschutz im deutschen Binnenland für eine erfolgreiche Ereignisbewältigung weiterentwickelt werden kann. Mit dem Ziel einer strukturierten Herangehensweise an die Thematik wurden die Handlungsfelder Führung, Daten, Technische Instrumente und Struktur theoretisch-konzeptionell identifiziert. Dabei wird der Fokus auf die dazugehörigen Forschungsschwerpunkte Entscheidungsvariablen, Priorisierung, Entscheidungsrelevante Daten, Automatisierung/Auslöseschwellen, Technische Instrumente und Struktur gelegt. Im Rahmen einer empirischen Studie wurden mit Hilfe von Experteninterviews, teilnehmender Beobachtung, Sekundär-/Archivdaten sowie einem Online-Fragebogen Daten für ausgewählte Szenarien erhoben und vorwiegend qualitativ mit Hilfe einer fokussierten Inhaltsanalyse nach KUCKARTZ (2018) ausgewertet. Als Erkenntnis der vorliegenden Abhandlung konnte herausgearbeitet werden, dass der operative Hochwasserschutz entgegen dem bisherigen (Begriffs-)Verständnis nicht allein auf die Phase während eines Hochwasser- oder Starkregenereignisses eingegrenzt werden kann, sondern in inhaltlich aufeinander aufbauende Handlungsphasen mit den drei Säulen operative Hochwasservorsorge (vor), -bewältigung (während) und -nachsorge (nach einem Hochwasserereignis) zu unterteilen ist. Das Zusammenspiel der drei Säulen in Verbindung mit einer interdisziplinären Betrachtungsweise unter Einbeziehung von Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz stellt zusammenfassend einen ganzheitlichen operativen Hochwasserschutz dar, wobei die zyklische Weiterentwicklung über zeitlich aufeinanderfolgende Teilschritte hinweg einen elementaren Bestandteil bildet. Hochwassermanagementsysteme stellen einen Ansatz dar, um sowohl den Anforderungen aller drei Säulen des operativen Hochwasserschutzes als auch den vier o.g. Handlungsfeldern gerecht zu werden. Im Sinne eines integrierten operativen Hochwasserschutzes sollte die bisherige Schnittstelle zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz qualitativ zu einer Integrierten Verbindungsstelle weiterentwickelt werden, in deren Fokus die gemeinsame Aufstellung und Weiterentwicklung von szenarienspezifischen Alarm- und Einsatzplänen, die Nutzung von Hochwassermanagementsystemen und gemeinsame interdisziplinäre Schulungen und Übungen stehen sollten.
  • Flood protection systems are designed only to protect against regularly occuring flood events. In order to reduce the remaining residual risks, such as the failure of the flood protection system, and to protect people and material, suitable operational measures are required. This is the task of flood emergency management, whose scope has thus far been limited to the period of the flood event itself. This study examines how flood emergency management in the German inland can be enhanced for successful flood management, particularly regarding the domains of leadership, data, technical instruments, and structure. It focuses on decision-making variables, prioritization, decision-relevant data, automation/trigger thresholds, technical instruments, and structure. Data for selected scenarios were collected using expert interviews, participant observation, archival documents, and an online questionnaire. They were analyzed primarily qualitatively, using a Qualitative Text Analysis according to KUCKARTZ (2018). It concludes that flood emergency management, contrary to the previous (conceptual) understanding, should not be limited to the duration of a flood or heavy rain event alone. Instead, it should be divided into phases of action that build on each other in terms of content, according to the established three pillars of operational flood prevention (before), management (during), and post-flood management (following a flood event). The interaction of these pillars in connection with an interdisciplinary approach that includes water management and disaster control offers a strategy for holistic flood emergency management. In this context, a continual refinement of procedures that includes all three sequential sub-steps forms a fundamental component. Flood management systems can help to effectively meet the requirements of all three pillars of flood emergency management, as well as the requirements of the four fields of action mentioned above. In order to successfully address flood events, the existing interface between water management and disaster control should be better integrated. Focus should be on joint preparation and the further development of scenario-specific flood emergency plans, as well as on the use of flood management systems and joint training and exercises.

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Metadaten
Author:Alexandra Elisabeth Schüller
URN:urn:nbn:de:hbz:386-kluedo-69185
DOI:https://doi.org/10.26204/KLUEDO/6918
ISBN:978-3-8440-8730-7
ISSN:1433-4860
Serie (Series number):Berichte des Fachgebietes Wasserbau und Wasserwirtschaft der Technischen Universität Kaiserslautern (23)
Publisher:Shaker Verlag
Place of publication:Düren
Editor(s):Robert Jüpner
Document Type:Book
Language of publication:German
Publication Date:2022/08/18
Year of Publication:2022
Publishing Institute:Technische Universität Kaiserslautern
Date of the Publication (Server):2022/08/18
Tag:Gefahrenabwehr; Hochwasserrisikomanagement; Hochwasserschutz; Katastrophenmanagement; Katastrophenschutz; operativ
GND-Keyword:Hochwasserschutz; Katastrophenschutz; Hochwasserrisikomanagement; Katastrophenmanagement; operativ; Gefahrenabwehr
Number of page:IX, 263
Faculties / Organisational entities:Fachbereich Bauingenieurwesen
DDC-Cassification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 620 Ingenieurwissenschaften und Maschinenbau
Licence (German):Zweitveröffentlichung